Hof Giesecke (heute Stolte)

Im Unteren Dorfe 2 (Hof der Familie Stolte, früher Giesecke) befindet sich eine eindrucksvolle historische Hofanlage, die sich durch ihre geschlossene Baugruppe rund um einen rechteckigen Wirtschaftshof auszeichnet. Im Westen liegt das Wohnhaus von 1911, während die umgebenden Wirtschaftsgebäude – Stall, Scheune, Remise und Verbindungsbauten – überwiegend aus der Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stammen. Gemeinsam formen sie ein gut erhaltenes Beispiel für die bäuerliche Architektur jener Zeit.


Bei dem Anwesen handelt es sich um eine sogenannte „Rübenburg“ – ein Ausdruck, der für besonders repräsentative Bauernhäuser verwendet wird, die aus den Einnahmen einer erfolgreichen Zuckerrübenkampagne finanziert wurden. Der wirtschaftliche Erfolg der Zuckerrübenanbauphasen ermöglichte es Landwirten, ihre Höfe nicht nur funktional, sondern auch mit einem gewissen architektonischen Anspruch zu gestalten. So konnte auch das stattliche Wohnhaus dieser Anlage entstehen – Ausdruck eines neu gewonnenen Selbstbewusstseins des ländlichen Bürgertums im frühen 20. Jahrhundert.


Das zweigeschossige Wohnhaus erhebt sich auf einem hohen Sockel aus Bruchsteinmauerwerk und ist mit einem Mansardwalmdach mit Ziegeldeckung versehen. Charakteristisch sind der polygonale Standerker an der Südseite und ein leicht vorspringender Mittelrisalit im Osten. Ober- und Dachgeschoss zeigen Fachwerkkonstruktionen mit teils gekuppelten Ständern, gebogenen Streben und Fächerrosetten – Details, die dem Gebäude einen charmanten, handwerklichen Ausdruck verleihen. Zeittypische Jugendstilfenster mit rasterartigem Oberlicht sowie große, flachbogige Fenster mit kleinteiligen Oberlichtern zur Straßenseite prägen die Fassade.


Die Hofeinfriedung im Süden und Westen besteht aus einem hohen Sockel aus Polygonalmauerwerk, mit sich nach oben verjüngenden Pfeilern und leicht geschwungenen Holzlattenzäunen dazwischen. Sie umschließt nicht nur den Vorgarten, sondern unterstreicht auch die repräsentative Wirkung der Gesamtanlage.


Ein zweigeschossiger Verbindungsbau aus Backstein und Fachwerk verbindet das Wohnhaus mit dem langgestreckten Stallgebäude. Der Stall selbst besitzt ein massiv gemauertes Erdgeschoss, während das Obergeschoss aus Fachwerk mit Ziegelausfachung besteht. Hofseitig markiert ein zweigeschossiger Ladeerker über der Durchfahrt den funktionalen Mittelpunkt des Wirtschaftsbereichs.


Im Osten des Hofes steht die giebelständige Scheune – ein eingeschossiger Fachwerkbau auf einem hohen Sockel aus Sandsteinquadern. Die mittige Längseinfahrt, die kräftigen Diagonalverstrebungen und eine Inschrift im südseitigen Torbalken zeugen von der handwerklichen Qualität und dem Selbstverständnis ihrer Erbauer.


Abgerundet wird das Ensemble durch eine zweigeschossige Remise an der Straße, deren Erdgeschoss massiv in Ziegelmauerwerk errichtet ist, während das Obergeschoss in Fachwerk ausgeführt wurde. Zwei große Einfahrtstore öffnen das Gebäude zur Straße hin und machen deutlich, dass hier einst landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge und Geräte untergebracht waren.


Die Hofanlage „Im Unteren Dorfe 2“ steht beispielhaft für den bäuerlichen Wohlstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie vereint Funktionalität mit regionaltypischer Bauweise und dem Stolz eines erfolgreichen landwirtschaftlichen Betriebs – finanziert aus der Fruchtbarkeit der Äcker und dem Ertrag der Zuckerrüben 

 

Quellen: 

  • Überlieferung durch Otto Köhler

  •  https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Hohenhameln