Hof Busse (heute: Könneker)

Abbildung 7: Einer von vielen Pokalen für die Stuten des Wilhelm Busse

Heutige Straßenbezeichnung: Im unteren Dorfe 23, früher Breite Straße 57
Das Haupthaus des Hofes wurde 1887 von Conrad Heinrich Wilhelm Busse (geboren 22. Februar 1841, gestorben 14. März 1905) und seiner Frau Johanne Marie Justine Giesecke erbaut.

 

Das Wohnhaus Busse in Hohenhameln wurde in damals moderner Technik errichtet und ist ein zweigeschossiges Fachwerkhaus auf einer quadratischen Grundfläche von 12 x 12 Metern. Es stellt ein typisches Beispiel der ländlichen Architektur des späten 19. Jahrhunderts dar. Die Gebäudehülle besteht aus einer Fachwerkkonstruktion mit handgebrannten Ziegeln in den Gefachen, die für Stabilität und Wärmespeicherung sorgen. Das heutige Wohnhaus befindet sich in etwa auf der gleichen Position des dort vorher platzierten Niedersächsischen Langhauses. Letzteres war allerdings etwas größer und ein wenig mehr in südwestliche Richtung platziert. Bei diesem waren Wohn- und Stallbereiche auch noch unter einem Dach. Somit ist das heutige Haus nicht mehr als sogenanntes „Einhaus“ ausgebildet wie der Vorgänger, das heißt in dem heutigen Hauskörper sind nicht mehr Wohnhaus, Stall und Erntelager zusammengefasst.


Die Zwischendecken des heute noch stehenden Hauses bestehen aus langen Holzbalken, die mit einer Mischung aus Lehm und Stroh ausgefüllt sind, um eine gewisse Wärmeisolierung zu gewährleisten. Diese Bauweise ist typisch für die Zeit und bietet eine natürliche Feuchtigkeitsregulierung. Der Keller ist als Gewölbekeller aufgebaut und die Zwischenräume mit Sand gefüllt. Das Dach ist als Satteldach mit Ziegeldeckung ausgeführt. 


Das Gebäude war bereits ursprünglich als reines Wohnhaus konzipiert und stellt somit eine Weiterentwicklung gegenüber dem niedersächsischen Hallenhaus dar, wo Stall und Wohnbereich mehr oder minder eine Einheit bildeten. Somit wurden die Stallungen des Hofes getrennt errichtet, was den hygienischen Anforderungen und der Trennung von Wohn- und Nutzbereichen entsprach. Das Wohnhaus Busse zeigt eine klare funktionale Raumaufteilung und verwendet vor allem regionale Materialien, die die Stabilität und den praktischen Nutzen des Gebäudes betonen.


Der Hoferbe Karl Heinrich Wilhelm Busse – genannt Wilhelm Busse - betrieb auf dem Hof ebenfalls Landwirtschaft mit Spezialisierung auf Pferdezucht. Er war als renommierter Züchter regional bekannt und setzte seine Kaltblutpferde – ebenso wie Ochsen – in der Landwirtschaft ein. Sein gekörter Eber „Hans“ beglückte viele Sauen in Hohenhameln und Umgebung und sorgte mit seinem Erfolgsgen für ergiebigen Nachwuchs. Besonders erfolgreich war Wilhelm Busse aber in der Zucht von Kaltblutpferden. Hierzu musste die ganze Familie unterstützen: Gisela Busse (heute Gisela Könneker) übernahm damals die Nachtwache während der Abfohlzeit der Stuten. Sie wurde hierbei von Nachtwächter Burgdorf (wohnhaft an der Ecke vom Hohenhamelner „Schmiedegarten“ zur Straße „Hinter den Höfen“) unterstützt. Die jüngeren Schwestern Käthe Busse (heute Lindemann) und Helga Busse (heute Köhler) halfen schon als Kinder bei der Versorgung der Pferde. Helga hatte schon früh Ihr Interesse und Talent für den Reitsport entdeckt. Sie ritt regelmäßig Mittwochs und Sonnabends von Rötzum nach Hohenhameln, um so in Hohenhameln Reitunterricht zu erhalten. Da die ganze Familie bei der Aufzucht half, war sie umso trauriger, wenn der Pferdenachwuchs ein Hengst war. Hatten sich doch alle um den Pferdenachwuchs bemüht, denn: Ein Hengst bedeutete kein Bleiben. Kein Platz im Stall, keine Zukunft in der Zucht. Nur das leise Wissen: Er würde als Fleisch enden.

 

Mit seinem Stutennachwuchs war Wilhelm Busse aber über die Region hinaus erfolgreich. Auf den regionalen Stutenschauen, z.B. auf der Domäne Hofschwicheldt oder in Peine, heimste er regelmäßig erste Plätze ein.

Abbildung 8: Herrmann Tomalla (Vorführer und Pferdepfleger) bei der Vorstellung der einjährigen Stute aus der Zucht Wilhelm Busse

Wilhelm Busse gestaltete außerdem aktiv in verschiedenen Vereinen, so war er Ortsbrandmeister (früher Kommandant) der Freiwilligen Feuerwehr Hohenhameln, bei den Oberbürgermeistern des Ortes und im Schützenverein der Schützenkönig des Jahres 1937. Er wurde am 3. Januar 1910 geboren und starb am 22. Mai 1958 in Hildesheim als Folge eines Arbeitsunfalls bereits im Alter von 48 Jahren. 

 

Deshalb mussten seine Frau Hildegard Busse (geb. Meier) und seine Tochter Gisela Busse (später Könneker) früh die Verantwortung für den Hof übernehmen.

 

Gisela Könneker (geb. Busse) und Karl Heinrich Willi Friedrich „Fritz“ Könneker bauten die übernommenen Scheunen zuerst zu Rinderställen mit damals modernen Spaltenböden um. Später wurden die Rinderställe in Wohnungen umgebaut.

Abbildung 9: Umbau der Scheune zu einem Rinder-Anbindestall, zu sehen (v.l.n.r.) Hildegard Busse, Willi Müller (Hofmaurer & Traktorist) und Theo Jordan (Traktorist)

Die Architektur auf dem Hof änderte sich über die Zeit. Im 19. Jahrhundert wurde der Misthaufen des Hofes Busse ursprünglich in der Mitte des Hofes, nahe dem Wohnhaus, platziert. Diese Position ermöglichte schnellen Zugang zu den Stallungen und eine einfache Nutzung des Düngers für die Felder. Jedoch führte die Nähe zum Wohnbereich zu Geruchsbelästigungen und hygienischen Problemen.

Zur Realisierung der Wohnungen und um eine zeitgemäße Durchfahrtshöhe zu schaffen musste die imposante überdachte Hofeinfahrt leider weichen. Hierzu wurde dieser Bereich in 1991 von Gisela und Fritz Könneker zurück gebaut. Auch die Gesamtarchitektur auf dem Hof änderte sich über die Zeit. Im 19. Jahrhundert wurde der Misthaufen des Hofes Busse ursprünglich in der Mitte des Hofes, nahe dem Wohnhaus, platziert. Diese Position ermöglichte schnellen Zugang zu den Stallungen und eine einfache Nutzung des Düngers für die Felder. Jedoch führte die Nähe zum Wohnbereich zu Geruchsbelästigungen und hygienischen Problemen.

Abbildung 11Abriss der Hofeinfahrt im Juni 1991
Abbildung 12 Bauarbeiten zur Änderung der Hofeinfahrt
Abbildung 13: Historische Strßenansicht der ehemaligen Breiten Straße

Abbildung 10: Fohlenschau, Winterkönig IV (genannt Fuxxi)

Mit der zunehmenden Sensibilisierung für Hygiene und Komfort sowie dem Einzug von Mietern haben Gisela und Fritz Könneker den Misthaufen später an den Rand des Hofes verlegt. Dieser Schritt spiegelte eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Praktiken und eine funktionale Trennung zwischen landwirtschaftlichen und Wohnbereichen wieder. 


Heute werden auf dem Grundstück ebenfalls wieder Pferde gehalten und somit an die alten Traditionen des Hofes angeknüpft. Mit Judith Könneker (geb. Göhlich) zogen wieder Pferde mit Hannoveraner-Herdbuch ein. Insgesamt hat eine Gruppe Wallache in moderner tiergerechter Offenstallhaltung Einzug gehalten. Es erfolgt eine naturnahe Haltung der Tiere ganzjährig draußen mit viel Auslaufmöglichkeit. Zur Verwirklichung des modernen und tiergerechten Pferdehaltungskonzeptes von Judith Könnneker, wurde die Weidefläche durch diejenige des Nachbarhofes Strube (Jawitz), welcher schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr bewirtschaftet wird, erweitert. Die ebenfalls erworbene imposante Scheune (siehe Bilder zum Hof Strube) konnte leider aufgrund des schlechten Bauzustandes nicht erhalten werden und musste einem modernen Hangschauer weichen.

Abbildung 10: Fohlenschau, Winterkönig IV (genannt Fuxxi)

Mit Winterkönig IV zog ein edler Hannoveraner Wallach auf den Hof ein. Er ist Nachkomme von Wanderer v Wagner, die aus dem Landgestüt Celle entstammen. „Das niedersächsische Landgestüt Celle wurde am 27. Juli 1735 von Georg II (Kurfürst von Hannover und König von Großbritannien) gegründet. Zweck dieser Einrichtung war, den bäuerlichen Pferdezüchtern im Land gegen geringes Entgelt gute Hengste zum Decken Ihrer Stuten zur Verfügung zu stellen.“(1) Somit führen sie die alte Tradition der Pferdehaltung auf dem Hof fort.

 

Ebenso befindet sich auf dem Grundstück eine moderne Amateurfunkstation. Mit den Kurzwellenantennen wird unter dem Rufzeichen DL8OBF weltweiter Funkverkehr durchgeführt. Unter dem Begriff „DX-Farm“ ist eine wettbewerbsfähige Funkstation entstanden, mit der erfolgreich an internationalen Wettbewerben teilgenommen wird.(2)

Der Figurenzyklus an den Hoftoren zeigt die Entwicklung von der Domestizierung des Haustieres, über das Pferd göttlichen Ursprungs „Pegasus“ bis zur weltweiten Kommunikation mit Hilfe elektromagnetischer Wellen und symbolisiert somit nicht nur die Entwicklung der Gesellschaft sondern auch diejenige des Hofes Busse.

  • (1) M. &H.D. Dossenbach, H.j. Köhler,: „Gestüte“, Augsburg 2001, Weltbild Verlag, ISBN 3-8289-1586-8

  • (2) www.dl8obf.de